Bauchaortenaneurysma (BAA) oder erweiterte Bauchschlagader

 

Unter einem Aneurysma versteht man die Erweiterung einer Schlagader (Arterie), also eine Vergrößerung des Durchmessers der Arterie. Diese Erweiterung kann in allen Körperregionen auftreten. Sie betrifft aber am häufigsten die Bauchschlagader (Bauchaortenaneurysma oder auch abgekürzt BAA). Mit Zunahme des Durchmessers steigt auch das Risiko das diese Arterienwand platzt und es zu einer Lebensbedrohlichen Blutung kommt. Ab einem Durchmesser von über 5 cm sollte daher über eine vorbeugende operative Korrektur nachgedacht werden.

Sechs von hundert Männern über 65 Jahre haben eine krankhafte Erweiterung dieser Hauptschlagader, die kontrrolliert oder sogar behandelt werden muß! Aktive und frühere Raucher sind besonders gefährdet. Sind bei den Eltern oder Geschwistern Aneurysmata bekannt besteht ebenso ein erhöhtes Risiko. Frauen haben ein niedrigeres Risiko, sollten aber beim Vorliegen von Risikofaktoren (Nikotinabusus, Arteriosklerose) ebenfalls untersucht werden.

 

Früherkennungsuntersuchung (Screening)

Bei einem "Screening" wird der Bauch abgetastet und eine kurze Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Diese Untersuchung ist völlig schmerzlos und strahlenfrei. Des Weiteren werden wegen der möglichen erblichen Veranlagung die Krankheitsbilder in der Familie abgefragt. Ab einem Durchmesser des Aneurysmas von 5 cm steigt die Gefahr des Platzens durch einen Gefäßwandeinriss erheblich an. Durch ein rechtzeitiges Entdecken lässt sich daher Schlimmeres verhindern!

Solche gefäßmedizinischen Screening-Untersuchungen sind zur Zeit immer noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

 

Therapie des Bauchaortenaneurysmas

Zur Behandlung des Bauchaortenaneurysmas stehen zwei Methoden zur Verfügung. In der seit über 50 Jahren praktizierten offenen Operation des Aneurysmas wird die Bauchschlagader freigelegt und der erkrankte Abschnitt entfernt und durch eine rohrförmige Kunsstoffprothese ersetzt. Geht die Aussackung auf die Beckenschlagadern über, hat die Prothese die Form eines Y. Die Bauchschlagader kann über einen Zugang durch die Bauchhöhle oder über die linke Flanke freigelegt werden.

Seit Anfang der 90er Jahre wird auch die sogenannte endovaskuläre Therapie durchgeführt. Hierzu werden über zwei kleine Schnitte in der Leiste die Arterien freigelegt und die Kunststoffprothese, die das Aneurysma ausschalten soll, in die Bauchschlagader vorgeschoben. Das Aneurysma selbst wird nicht entfernt sondern nur vom Blutkreislauf ausgeschaltet. Bei einer Restdurchblutung des Aneurysmasackes durch kleine Arterien oder eine inkomplett abdichtende Prothese (Endoleak) kann es in Einzelfällen auch zu einem Weiterwachsen des Aneurysmas kommen, so dass Korrekturen notwendig werden. Daher muß nach endovaskulärer Ausschaltung der Therapieerfolg ein Leben lang in jährlichen Ultraschalluntersuchungen kontrolliert werden.

Die offene Operation ist ein sicheres und etabliertes Verfahren zur Behandlung des Bauchaortenaneurysmas. In der Regel verbleiben die Patienten eine Nacht auf der Intensivstation. Nach 5 Tagen kann normal gegessen werden und ab dem 10. Tag ist die Weiterbehandlung in einer Kurklinik vorgesehen. Wie bei allen großen Eingriffen gibt es jedoch auch Komplikationen, die Behandlungsbedürftig sind. In der Regel auf Grund von Herz-Kreislaufbelastungen. Die Komplikationsrate beträgt 3-5 %.

Das endovaskuläre Verfahren ist hingegen ein chirurgisch kleinerer Eingriff. Die anfänglich hohen Komplikationstraten sind in den letzten 20 Jahren durch die Materialforschung stark zurückgegangen. Nach eine Nacht auf der Wachstation ist normale Kost sofort möglich, ebenso wie das Aufstehen aus dem Bett. Die Entlassung erfolgt in der Regel innerhalb einer Woche. Eine Kur ist nicht notwendig. Allerdings ist nicht jedes Aneurysma für eine endovaskuläre Ausschaltung geeignet. Die Op-Planung erfolgt nach genauem Vermessen des Aneurysmas in einer Computertomographie.

Krankheiten und Therapien