Blutgerinnung und Antikoagulation (Blutverdünnung)

 

Normalerweise befindet sich unser Blutgerinnungssystem im Gleichgewicht: ständig werden Gerinnungsfaktoren gebildet und abgebaut, bei noch so kleinen Verletzungen werden sofort körpereigene Reparaturen vorgenommen.

 

Ein kompliziertes System von Gerinnungsfaktoren (Eiweißen), Blutplättchen (Thrombozyten) und Enzymen (Fermenten, die biochemische Reaktionen auslösen können), wirkt zusammen.


Zur Behandlung:

An vielen Stellen kann heutzutage mit Medikamenten in dieses System eingegriffen werden: bei frischem Herzinfarkt, Schlaganfall oder einer Lungenembolie kann der Arzt eine Thrombolyse(Fibrinolyse) vornehmen, also ein Gerinnsel auflösen, das den Notfall bewirkt hat. Bei instabiler Angina können mit speziellen Hemmstoffen (Glykoprotein-IIB/IIIA-Rezeptorantagonisten) die Thrombozyten gerade soweit behindert werden, dass das Herzkranzgefäß nicht verschließt, aber auch keine Blutungen auftreten. Zur Vorbeugung vor Blutgerinnselbildung bei Vorhofflimmern, nach Einbau künstlicher Herzklappen oder nach Venenthrombosen werden sog. Cumarine (Falithrom oder Marcumar) eingesetzt.

Blutgerinnselbildung im Schlagadersystem kann am wirksamsten mit Thrombozytenaggregationshemmern (Acetylsalicylsäure (Aspirin) oder Clopidogrel) vorgebeugt werden. Zur schnell einsetzenden und gut steuerbaren Gerinnungshemmung (z. B. bei Patienten, die operiert werden müssen), werden in Kliniken Heparine eingesetzt. Diese sind ausnahmsweise auch von Patienten selbst einsetzbar (z. B. zur Thrombose-Vorbeugung vor einer Flugreise), aber nur als Spritze in das Unterhautgewebe. Die Einführung neuer Medikamente (sog. direkter Antithrombine), die verschiedene Vorteile anderer vereinigen, ohne den hohen Kontrollbedarf der Cumarine mit sich zu bringen, steht unmittelbar bevor.